Internet: Radikalisierung durch Filterblasen und Echokammern?

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Merja Mahrt ist Kommunikationswissenschaftlerin. Sie hat sich das Internet einmal etwas genauer angeschaut, weil sie etwas mehr über Filterblasen und Echokammern herausfinden wollte.

Sie wollte wissen, ob man die für einen Attentäter typische Radikalisierung mit diesen Phönomene erklären kann.

In einem Interview, das sie jetzt der Wochenzeitung „Die Zeit“ gegeben hat, sagt sie, nein, das kann man nicht.

Die allermeisten Menschen isolierten sich nicht so weit, dass sie von Dingen außerhalb „ihrer digitalen Welt“ nichts mehr mitbekämen. Dafür sei das Leben, unabhängig von einen Bildschirm, im Allgemeinen immer noch zu präsent. Der „analoge“ Kontakt mit Menschen, bei der Arbeit, in der Schule, in der S-Bahn, beim Einkaufen oder wo auch immer, die hier stattfindende Interaktion, beschreibt eine Lebenswelt, in der andere Spielregeln gelten und es andere Situationen zu durchleben gelte, als in der Onlinewelt.

Diese „analoge“ Welt wirke kompensierend, sei aber an sich deshalb kein Mittel gegen Radikalisierung, weil sich Menschen hier ebenfalls radikalisieren können oder radikalisiert haben, lange bevor es das Internet gab.

Es gilt immer in beiden Welten die Prozesse, die zu einer Radikalisierung führen, zu erforschen.

Die Kommunikationswissenschaftlerin an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf weist in ihrer Doktorarbeit darauf hin, dass Individuen, die innerhalb einer kritisch zu sehenden Onlinecommunity sind, dann ein geringeres Radikalisierungspotenzial aufweisen, wenn sie sich auch noch in ganz anderen Lebenszusammenhänge bewegen.

Im Allgemeinen könne man festhalten, dass Echokammern und Filterblasen erst dann bedenklich werden, wenn andere, analoge Lebenszusammenhänge mit ihrem ausgleichenden Potenzial für das Individuum irrelevanter, wenn andere Perspektiven nicht mehr zugelassen, anders lautende Informationen unglaubwürdig und Gegenbeispiele lächerlich gemacht werden.

Das vollständige Interview kann man hier nachlesen