Studie: Digitalisierung als Retter in der Not?

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Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen – genau 56% – ist sich sicher darin, dass die Digitalisierung maßgeblich dazu beitragen wird, die Treibhausemissionen zu reduzieren. Befragt zu diesem Thema wurden 1.000 Bundesbürger.

Eine deutlich kleinere Gruppe, die 13% der Befragten ausmacht, ist gegenteiliger Ansicht. Die Digitalisierung trägt nicht zur Reduzierung von Klimarisiken bei, sie erhöhe diese. 23% sind der Ansicht, dass die Digitalisierung keinerlei Einfluss auf die Klimaproblematik hat.

Beinahe zwei Drittel der an der Befragung teilnehmenden Personen sind der Überzeugung, dass der Klimawandel die größte und drängendste Herausforderung der Menschheit ist. Ein weiteres Viertel ist der Ansicht, dass der Klimawandel eines der wichtigsten gegenwärtigen Probleme darstellt. Die Damen und Herren, die der besagten Thematik eine untergeordnete oder gar keine Wichtigkeit einräumen und denken, dass die aktuelle Diskussion übertrieben ist, liegt bei 8% bzw 3%.

Große Hoffnung legt eine große Mehrheit der Bundesbürger – 80% – in digitale und intelligente Stromnetze, die sie im Rahmen der Sicherung der zukünftigen Versorgung für notwendig halten. Ein ähnlich hoher Prozentsatz der an der Umfrage teilnehmenden Personen – 76% – ist der Ansicht, dass digitale Techniken die Nutzung regenerativer Energie verbessert. In Bezug auf die Steuerung des Verkehrs sind 73% der Meinung, dass mit neuen Technologien der CO2-Ausstoß reduziert und Staus vermieden werden könnten.

„Künstliche Intelligenz, wie sie etwa beim autonomen Fahren zum Einsatz kommt, birgt zweifelsohne ein enormes Klimaschutzpotenzial. Autonomes Fahren führt zu einer deutlichen Effizienzsteigerung im Straßenverkehr und kann im Zusammenspiel mit einer intelligenten Verkehrssteuerung Staus und Standzeiten in erheblichem Maß verringern“, so Bitkom-Präsident Achim Berg, in dessen Auftrag die hier beschriebenen Studie durchgeführt wurde.

Pressemitteilung der Bitkom e.V.

Burkhard Heinz

mediatpress®

2 Antworten auf „Studie: Digitalisierung als Retter in der Not?“

  1. Nun, Klimaschutz genießt in jüngster Zeit erhöhte Aufmerksamkeit und nervt zugleich besonders diejenigen, die Bangen um ihr Haben. Die Bereitschaft, Opfer zu bringen, damit nicht noch mehr Vogelarten, Insekten, Pflanzen mutieren oder aussterben und damit die Diversität und Nahrungsketten und die Rhythmen der Natur dramatisch verändern, ist eher gering. Und es ist auch komplex und berührt jeden Einzelnen. Niemand steht außerhalb: weder der Natur, noch der Nutzung von Technik, noch der Notwendigkeit eines auskömmlichen Zusammenlebens.

    Davon handelt die Pressemitteilung aber nicht. Das Thema wird mit Mutmaßungen und ungestützten Annahmen genutzt, um für die Digitalisierung zu werben.

    Akzeptiert man hypothetisch einmal den Zusammenhang, dann stellt sich mir zunächst die Frage, in wiefern verantwortliches konservatives Handeln des Menschen ggü. unseren natürlichen Lebensgrundlagen einen neuen gesellschaftlichen Konsens braucht, gesichert durch Richtlinienkompetenz, also politische Entscheidungen. Technik wird uns die Verantwortung nicht abnehmen können. Wo aber kommt der Sinn für Verantwortung her – und wo kommt die epidemische Bequemlichkeit, ja undankbare Ignoranz gegenüber der Natur her.

    Die Entwicklung der Technik, bzw. unsere Nutzung davon, ist zunächst ein Teil dessen, was zu den desaströsen Zerstörungen geführt hat. Mir kommt es so vor, als ginge es in der Pressemitteilung auch darum, das Nicht-Gesagte zu übertünchen. Das ist der Kampf um die Erhaltung, sogar Ausdehnung unseres extensiven, verantwortungslosen Verständnisses von eigener Bequemlichkeit und Luxus. Mit der Bequemlichkeit geht ein nicht geringer Grad an Verdummung einher, Unverständnis, Ignoranz. Inzwischen sollten wir uns doch fragen, was wir eigentlich unter Menschsein verstehen? Ist es noch mehr als eine biologische Maschine, deren Getriebe und Getrieben-sein auf Optimierung und Funktionalität ausgerichtet ist, nicht zuletzt die kontrollierte Dienstbarkeit für einen Apparat der sein Glücksversprechen längst nicht mehr einlöst?

    Es geht mir natürlich nicht um Technikfeindlichkeit oder Ablehnung von digitalen Techniken. Sondern das Wiedererlangen eines Verantwortungsgefühls zu den tatsächlichen Lebensgrundlagen. Dies verlangt ein Verständnis unserer existentiellen Verbindung zur Weisheit, die in der Natur steckt. Die Klima-Problematik macht aufmerksam auf das Scheitern des westlichen Kontroll- und Selbstoptimierungswahns. Dabei führt die Automatisierung von eigenen Tätigkeiten mindestens auf einer Seite auch zu einem Verlust von Fähigkeiten, wie Erinnerung, Aufmerksamkeit, Intuition, was alles Elemente von Verantwortungsfähigkeit sind, – die ja nur aus Zusammenhangsbewußtsein heraus denkbar ist. Also aus dem Bewußtsein, wie mein Ich im Verhältnis steht zu der Welt, zu dem, was mich umgibt, trägt, nährt, …

    Das zum scheinbaren „Leben“ erweckte Maschinenwesen, ausgestattet mit künstlicher „Intelligenz“, das mit der Absicht entwickelt wird, menschengleich zu handeln, weckt in mir den dringenden Impuls, mich noch intensiver nach den Bedingungen des Mensch-sein hin zu orientieren. Dieses Maschinenwesen kann die Verantwortung und Stellung des Menschen nicht ersetzen, dass es den Menschen davon abbringt, ihn zu zwanghaften und teils zerstörerischer Losgelöstheit führt, das ist augenfällig – und Grund für den Zustand der klimatischen Störungen weltweit.

  2. Vielen Dank für Dein Interesse! Ich denke, dass es wichtig ist herauszustellen, dass wir es bei dem Text um die Zusammenfassung einer Pressemitteilung handelt, die von einer Lobbyorganisation – der Bitkom – herausgegeben wurde. Mich als Autor der Zusammenfassung hat der Aspekt der Digitalisierung interessiert, die ja einerseits furchtbar missverstanden wird und andererseits durchaus Potenzial hat das Leben zu verbessern. In der Erinnerung hatte ich noch den Bericht des Club of Rome, der ja in den 1970er-Jahren (?) ganz furchtbare Voraussagen machte, die, grob gesprochen, alle sehr daneben lagen, weil sie den technischen Fortschritt nicht in ihre Voraussagen einbeziehen konnten. Technischer Fortschritt ist heute sehr stark mit dem Begriff der Digitalisierung verbunden. Das Menschen dazu eine bestimmte Haltung haben, finde ich interessant, dass damit aber noch wenig gesagt ist bezüglich Unter- oder Überschätzung der mit der Digitalisierung in Zusammenhang stehenden Möglichkeiten, versteht sich von selbst.

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