Zukunft: Untergehen war gestern

Gudrun Pausewang schrieb Bücher, die in den 1980er-Jahren selbstverständlicher Teil des Schulunterrichts waren. Wie der Diercke-Weltatlas. In ihnen ging es um Atomtod und Umweltzerstörung.

Die Überbevölkerung war das Thema eines anderen Autors. Sein Name, Paul Ehrlich. Der Titel seines Buches: „Die Bevölkerungsbombe“. Erschienen bereits im Jahr 1968. Ehrlich prognostizierte baldige Hungersnöte globalen Ausmaßes, denn dreieinhalb Milliarden Menschen könne die Erde nicht ernähren. Die Hälfte werde verhungern.

Tatsächlich hat sich die Weltbevölkerung mittlerweile mehr als verdoppelt, aber die Anzahl der Menschen, die Hunger leiden, ist nahezu konstant geblieben und immer noch viel zu hoch.

Ehrlich, an dessen Thesen so gut wie niemand zweifelte, wurde als Realist wahrgenommen. Er selbst hätte wahrscheinlich den Kopf geschüttelt, hätte man zutreffend vorausgesagt, dass sich die landwirtschaftlichen Erträge in den kommenden 50 Jahren (nach Veröffentlichung seines Weltbestsellers) verdreifachen werden.

Ein zweiter, Anfang der 1970er-Jahre sehr bekannter Zukunftsforscher war Dennis Meadows. Das Buch, das er zusammen mit seiner Frau Donnella und anderen Autoren geschrieben hat, trug den Titel „Die Grenzen des Wachstums“. Den Autoren und Autorinnen ging es weniger um die Überbevölkerung als um das Ende aller Ressourcen. Die zum Beispiel aus den versiegenden Erdölquellen sich ergebenden Konsequenzen, so Meadows, würden in Indien zu Milliarden Toten führen. Auftraggeber des auch heute noch bekannten Buches war der „Club of Rome“. In seinem Auftrag fütterten die Meadows die damals leistungsfähigsten Computer des „Massachusetts Institute of Technolology“ mit aktuellen Daten, die diese dann hochrechneten. Das Ergebnis: ein globales Desaster spätestens im Jahr 2.000, weil alle wichtigen Ressourcen verbraucht, extrem knapp oder extrem teuer geworden sein werden.

Das Gegenteil wurde Realität. Die Preise waren im Jahr 2.000 nicht höher als in der Vergangenheit – eher niedriger – und von Knappheit konnte überhaupt keine Rede sein.

Außerdem war es den Industriestaaten gelungen, die Umweltverschmutzung substanziell zu verringern.

Hatte der Club of Rome noch empfohlen die Industrieproduktion auf dem Stand der 1970er-Jahre einzufrieren, um einen Zustand des weltweiten Gleichgewichts herzustellen, so zeigt sich heute, dass überall dort, wo materielle Not durch Wirtschaftswachstum überwunden wurde, Menschen länger leben, die Umwelt sauberer und die Natur geschützter ist.

Nicht Reichtum bedroht Menschen, Umwelt und Natur, sondern Armut, Stillstand.

Meadow und der Club of Rome waren in ihren Vorraussagen nahezu blind für die positiven Folgen des technologischen Fortschritts, für Effizienzsteigerung und verminderten Rohstoffverbrauch z.B durch Computer.

„Menschheit am Scheideweg“ war dann die zweite, 1974 veröffentlichte Studie des „Club of Rome“. Mit anderen Autoren, aber weiterhin ähnlich apokalyptisch. So wurde für Südasien eine Hungerkatastrophe vorausgesagt, die 1980 beginnen und ihren Höhepunkt 2010 haben sollte. Wieder mit 1 Milliarde Toten.
Die Region entwickelte sich aber anders, eher gegenteilig. Zum Schaden für das Ansehen der Autoren? Nein. Paul Ehrlich, Dennis Meadows, Eduard Pestel und Mihailo Mesarovic blieben Stars der Szene und der Club of Rome hat heute noch einen Namen.

Prognosen sind immer dann schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen.

siehe
Cicero

Julian L. Simon

Die Grenzen des Wachstums

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