Missbrauch: „Priester sind nicht schlimmer als Klavierlehrer“

Church window 2217785 1280

Die Fachzeitschrift „Psychiatrie heute“ zitiert laut Stuttgarter Zeitung vom 09.08.2019 eine Studie zum Missbrauch von Kindern. Verantwortlich für die Untersuchung zeichnet Harald Dreßing vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Unter die Lupe genommen wurde die Zeit von 2009 bis 2015.

Das Ergebnis: obwohl sich die Kirche ab dem Jahr 2002 stärker gegen Missbrauch ausspricht und präventive Maßnahmen umsetzt, könne man keinen Rückgang der Anschuldigung verzeichnen. Der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen durch katholische Priester sei ein aktuelles, kein historisches Problem, sagt Dreßing.

Dem widerspricht Clemens Stroppel, der Generalvikar des Bistums Rottenburg-Stuttgart, so die Stuttgarter Zeitung. Während im siebten und achten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts noch rund 30 Fälle/Jahrzehnt registriert wurden, wurden für die 1990er-Jahre „nur noch“ 16 Fälle erfasst. Bis 2009 waren es dann elf und seit 2010 nun sechs. Der letzte Vorwurf gegen einen Priester, so Stroppel, stamme aus dem Jahr 2014.

Christian Pfeiffer, der ehemalige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, sieht das Missbrauchsthema ähnlich. Es sei richtig, dass die Zahlen zurückgehen. 2011 habe man eine Studie durchgeführt. Dabei sei herausgekommen, dass von 10 000 Menschen, die nach ihren Missbrauchserfahrungen befragt wurden, nur eine einzige Tat einem Priester zur Last gelegt wurde.
„Priester sind heute nicht gefährlicher als Trainer, Klavierlehrer oder Grundschulpädagogen“, sagt Pfeiffer. „Pädophile gibt es in allen kindernahen Berufen“ und ein Missbrauchsrisiko gebe es schlicht überall dort, wo Männer und Kinder unter vier Augen zusammen seien.