Der erste Satz

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Susanne Schneider ist u.a. Redakteurin des SZ-Magazins und der Zeit. Sie ist um den ersten Satz besorgt, sagt sie.

Die Frage, ob man auf den guten Einstieg in einen Text früher mehr Wert gelegt habe, will sie nicht bejahen, stellt trotzdem aber eine gewisse Sorglosigkeit fest. Es gehe einfach nicht, einen Bericht mit Feststellungen anzufangen wie ‚Köln liegt am Rhein‘. Darin spiegele sich ein hohes Maß an Hochmut gegenüber den Leserinnen und Lesern wider. Und szenische Einstiege mag Fr. Schneider auch nicht. ‚Die S-Bahn war wieder überfüllt, als er von der Arbeit nach Hause fuhr‘ sei so ein Satz, der schon wegen seiner Beliebigkeit kaum zu ertragen sei. Von alleine folge aus so einer solchen Szene nichts.
Selber brüte sie manchmal stundenlang an dem ersten Satz, der dann richtig sei, wenn sich der zweite fast von selbst aus ihm ergebe. Anderen Strukturen folge sie bei ihren eigenen Texten jedoch nicht. Es sind, so Susanne Schneider, zwei wichtige Fragen, mit denen sie sich bei der Textarbeit aber immer wieder auseinandersetze: Was will ich eigentlich mit meiner Geschichte erzählen? und Was soll dem Leser am Ende klar geworden sein?
Es gehe aber auch nicht nur einfach um das, was in einer Reportage vordergründig erzählt wird, es müsse immer auch eine zweite Ebene geben, wo bestimmte allgemeine Lebenshaltungen ganz indirekt Berücksichtigung finden. Man könne durch seine Geschichten, so Susanne Schneider, Personen vorführen, sich über sie lustig machen. Man kann ihnen aber auch mit Respekt gegenübertreten, um z.B. im Fremden etwas sichtbar zu machen, was vielleicht so fremd gar nicht ist.

Das volständige Interview kann in der Beilage der Zeitschrift medium Nr.2/2019 nachgelesen werden.

Burkhard Heinz
mediatpress®

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