Exhibitionismus in Anführungszeichen

Rudolf K., so eine Meldung in der Süddeutschen, habe Probleme mit dem Ischias-Nerv, weshalb er sich im Schwimmbad gerne unter die Massagedüse stelle. Dabei sei ihm wohl die Badehose verrutscht. Herr K. ist 89 Jahre und steht nun wegen „exhibitionistischer Handlungen“ vor Gericht. Angezeigt hatte ihn eine Dame, die, 50jährig, „gerade einen Unterwasserhandstand absolvierte und durch die Schwimmbrille, so das Protokoll wörtlich „etwas herumschwimmen sah“. Das Verfahren, auf dem die Staatsanwaltschaft auch nach Zurücknahme der Anzeige durch die Dame bestand, wurde nun gegen Zahlung von 500 Euro eingestellt.
Für den 19jährigen Tobi K. – trotz identischem Initial des Nachnamens mit obigem Rudolf K. weder verwandt noch verschwägert – und seinem Freund Fabian D. wäre es relativ leicht gewesen 500 Euro aufzutreiben. Eigentlich. Beide müssen aber jetzt neben der Ableistung eines Batzens Sozialstunden für eine Woche einsitzen. Der Grund: ihre Euros hatten sie in einer Fälscherwertstatt in Landshut für die Hälfte ihres Nennwertes erworben. Nicht um damit Gerichtskosten zu zahlen, sondern für eine große Sause, bei der sie „die Blüten in Discos und Restaurants in München verjubeln wollten“. Also auch eine Art „exhibitionistische Handlung“.
Aufgeflogen ist dann alles wegen einer misstrauischen Kassiererin, die Anzeige erstattete. Dass die Landshuter Fälscher, die zeitgleich dann auch aufflogen, peinlich genau Buch über ihre Geschäfte führten und alle Chatprotokolle aufbewahrten, ließ den Kurs von Tobis und Fabians entlastender Argumentation abstürzen wie nach einem Börsencrash. Auch mit dem frommen Wunsch den entstandenen Schaden nachträglich auszugleichen, scheiterten Tobi und Fabian, denn die meisten „Einrichtungen“, in denen sie ihr „Geld“ durchgebracht hatten, waren viel zu kurzlebig.

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