Überwiegend unwichtig!

Und tatsächlich, es scheint nicht richtig zu sein, von der “überwiegenden Mehrheit” zu sprechen. Ich bin zwar nicht dazu geeignet, über richtiges oder falsches Deutsch zu schreiben, aber für die “überwiegende Mehrheit” will ich mal eine Ausnahme machen. Warum? Weil mir, ich gebe es zu, diese Floskel bisher noch nicht unangenehm aufgefallen ist.

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EU-Urheberrecht oder doch?

Bisher war es das so genannte Providerprivileg, das Plattformen wie Youtube gegen weitergehende Forderungen von Rechteinhaber schützte. Das Providerprivileg ist ein Konzept, das dem des reitenden Boten ähnelt. Für die Nachricht, die der Bote überbringt, ist er selbst nicht verantwortlich, weil er nur der Überbringer ist. Angewendet auf das Internet heißt das, dass der Provider dank des Providerprivilegs davor geschützt wird, für bereit gestellte Inhalte, die er selbst nicht erstellt hat, zur Rechenschaft gezogen zu werden.

 

In der neuen Urheberrechtsrichtlinie soll nun vor allem genau dieses Privileg für bestimmte Arten von Plattformen beseitigt werden.

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Trinkwasser: Vom Lauf einer Pressemitteilung

Eine Pressemitteilung kann unabhängig vom Wahrheitsgehalt der in ihr enthaltenen Daten in den Medien die Runde machen und sehr hohe Reichweiten erzielen. Voraussetzung dafür scheint zu sein, dass sie nachts von einem nicht ganz unbekannten Medium – am besten im Printbereich – aufgegriffen, veröffentlicht und damit verbreitet wird. Wenn der Inhalt der Meldung jetzt von allgemeinerem Interesse ist, dann ist die späte Stunde recht gut dazu geeignet, dass die entsprechende Meldung ungeprüft in den nächsten Stunden von einer und dann auch von anderen Presseagenturen aufgenommen und multipliziert wird. „Trinkwasser: Vom Lauf einer Pressemitteilung“ weiterlesen

Das globale Hähnchen?

Ich war neulich auf einem Seminar. Es ging darum, wie das wirtschaftliche Gefälle zwischen Industriestaaten und ehemaligen Kolonien ausgeglichen werden kann. Nicht, dass ich denke, dass es dieses postkoloniale Gefälle nicht gibt, ich bin aber weit davon entfernt zu wissen, wo welche Staaten von diesem Ungleichgewicht genau betroffen sind und was man zu dessen Beseitigung tun kann. „Das globale Hähnchen?“ weiterlesen

Flat-Earth-Loop

Nicht nur das Handwerk leidet unter selbstanleitenden Youtube-Videos. Klempner, Schreiner und Elektriker kommen neben anderen Berufsgruppen und deren Kundschaft durch das audiovisuelle Material, das auf der zu Google gehörenden Plattform angesehen werden kann, zu seltsamen Überzeugungen. Die Erde, so eine an Popularität gewinnende, aber eigentlich aus dem Mittelalter stammende Überzeugung, sei nämlich keine Kugel, sondern eine Scheibe. Man spricht auch von einer Flat-Earth-Bewegung mit einer Anhängerschaft nicht nur in den USA. Die Konferenzen, die dort zu diesem Thema abgehalten werden, haben es möglich gemacht, dass ein Team der Texas Tech University auf zwei dieser Konferenzen (2017 und 2018) mit 30 Teilnehmern und Teilnehmerinnen sprechen konnte. „Flat-Earth-Loop“ weiterlesen

Sex, Wien, Militär

In Wien wirbt ein Bordell mit einem Plakatak um Soldaten. “Jeder Soldat zahlt nur die HÄLFTE!” (Hervorhebung im Original). Wie ein Bewegungsmelder – man erlaube mir diese polemische Eröffnung – aktiviert dieser Sachverhalt die moralische Entrüstung einer Autorin auf einer meiner Lieblingsadressen im Internet, den Salonkolumnisten. Ist der Vergleich der Autorin mit den koreanischen und chinesischen “Trostfrauen”, die als Kriegsbeute japanischer Soldaten während des zweiten Weltkrieges vor allem Objekte fehlgeleiteter sexueller Impulse waren, angebracht? „Sex, Wien, Militär“ weiterlesen

“Ich frame, also bin ich”

Wer kennt sie nicht? Elisabeth Wehling, Autorin des (internen) Framing Manuals der ARD, das unter dem Vorsitz des MDR von der ARD für etwas mehr als 100.000 Euro beim so genannten “Berkeley International Framing Institute” in Auftrag gegeben und dann von netzpolitik.org veröffentlicht wurde.
Beauftragt wurde das Handbuch 2017 aus der Notwendigkeit heraus sprachliche Umgangsformen zu finden, um sich mit den Personenkreisen besser auseinandersetzen zu können, die sich mit Hilfe von Frames wie “Staatsfunk” und “Zwangsgebühren” schon länger gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk positionierten. „“Ich frame, also bin ich”“ weiterlesen

1. Januar 2018 – Neues Jahr – Neue Zeit

Zeit, das kann man merken am Neujahrstag, ist eine Sache des  Bewußtseins. Wir Menschen machen Abschnitte, Unterschiede und treffen Ent-Scheidungen. Dabei begegnen sich jeweils kontinuierlich Fließendes und im Moment Erlebtes.

Beide Aspekte, unlösbar verbunden, bilden ein Paradox und sind nicht in einem Entweder-Oder trennbar. – Zeigen nicht beide Aspekte gleichwertige Perspektiven von Lebendigkeit? – Ein Paradox führt auf einer höheren Ebene einander bedingende Gegensätze zusammen. Ein Paradox überwindet das Ausschließliche.

Besonders in Europa und der durch Europa westlich, jüdisch und christlich geprägten Welt wurde dabei das Phänomen der Entwicklung, des Fortschritts und der Veränderlichkeit  betont. In anderen Kulturen dagegen mehr das kontinuierliche Fließen, das Beständige, die Dauer. Bildung ist in beiden Sphären von hoher Bedeutung, nur wurden unterschiedliches gebildet.

Die Problematik heute ist, so scheint es mir, dass wir uns von den eigenen  Daseinsgründen abwenden. Wir leugnen oder verdrängen Paradoxien, versuchen sie wegzuschieben, auszublenden. Und schlagen uns entweder in Scheinvorstellungen von Ewigkeit oder binden unseren ganzen Sinn an vergängliche Äußerlichkeiten. Als Fortschritt bezeichnen wir dann einen Zuwachs an Anhäufungen, z.B. von leeren Gegenständen und scheinnützlichem Wissen.

Wo sind die Ideen für eine Zukunft im Zusammenleben von menschen, die sich nicht in unterschiedlicher Kombinatorik oder Wiederholungen erschöpft, sondern Neues wagt, Neues ausprobiert, erlernt? Wo ist die Zuversicht, das Zutrauen?

Oktavio Paz, der mexikanische Dichter, (1914 – 1998) schrieb in seinem Gedicht “1. Januar”:

Die Türen des Jahres öffnen sich
wie die der Sprache,
auf das Unbekannte zu.
Gestern Abend hast du mir gesagt: Morgen.
müssen wir uns Zeichen ausdenken,
eine Landschaft skizzieren, einen Plan anfertigen
auf der Doppelseite
von Tag und Papier.
Morgen müssen wir
die Realität dieser Welt
noch einmal erfinden. „1. Januar 2018 – Neues Jahr – Neue Zeit“ weiterlesen